Interview mit Walter Womacka anlässlich der 10. Weltfestspiele (Junge Welt, 1972)

Herr Professor Womacka, Sie sind Leiter des künstlerischen Leitkollektivs für die Ausgestaltung der X. Weltfestspiele. Worin besteht das Hauptziel bei der Ausschmückung Berlins? Wir wollen eine Atmosphäre schaffen und vermitteln, die das zentrale Leitmotiv des Festivals „Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft” emotional zum Ausdruck bringt. Die Gestaltung soll das politische Anliegen und die jugendlich-optimistische Atmosphäre des Festivals unterstreichen und in Verbindung mit dem neuen Gesicht der Hauptstadt unsere sozia­listische Gesellschaft repräsentieren.

Wir hörten, daß einige Ihrer auslän­dischen Kollegen einen Festivalbeitrag liefern werden …
Das ist richtig. Wir haben ausländische Kollegen gebeten, sich mit einem Kunstwerk an der Ausgestal­tung zu beteiligen. Dieser Aufforde­rung sind sowjetische Kollegen gefolgt, ebenso die Franzosen Jaan Eflel, Jean Picard le Doux, der Italiener Renato Gutuso und auch der mexikanische Maler David Alfaro Siqueros. Ihre Arbeiten, die die DEWAG sorgfältig auf Großflächen überträgt, werden zum Festival in den Straßen Berlins zu sehen sein.

Wer gehört eigentlich zum Leitkollektiv? Der Grafiker Axel Bertram, der Architekt Lutz Brandt, die Maler und Grafiker Dietrich Kaufmann und Heinrich Tessmer, der Grafiker und künstlerische Leiter der DEWAG-Werbung Berlin Rolf Walter, Karl Chemnitz, Leiter der Abteilung Stadtausgestaltung des Org.-Komitees, Günter Schmahl als Sekretär und ich.

Welchen Anteil haben die künstlerischen Hoch- und Fachschulen der DDR bei der Ausgestaltung? Sie sind alle aktiv einbezogen. So ist zum Beispiel die Fachschule für Werbung und Gestaltung in Oberschöneweide für die Gestaltung aller Drucksachen, die zu den Weltfestspielen herausgegeben werden, verantwortlich und wirkt darüber hinaus bei der Gestaltung im Bereich Handel mit. Die Dresdner Studenten übernahmen die Ausgestaltung des internationalen Karnevals. Unsere Kunsthochschule in Weißensee gestaltet den Klub junger Künstler, entwickelte eine Kollektion Festivaltücher und hat für das Fest des internationalen Liedes und des Tanzes die Ausgestaltung übernommen.

Sind die Hausgemeinschaften in Ihre Arbeit mit einbezogen? Diese Frage müsste eigentlich am Anfang stehen, denn die geschmückte Hauptstadt wird in erster Linie das Ergebnis der vielfältigen Ideen und Initiativen der Hausgemeinschaften, der Betriebe und der Institutionen sein. Einiges ist ja jetzt schon spürbar. Wir helfen allen bei der Umsetzung ihrer Ideen und die DEWAG unterstützt diese Arbeit mit einer Vielzahl von preiswerten Gestaltungsmitteln.

Wie entstanden Ihre Ideen? Sie kommen natürlich nicht aus heiterem Himmel. Grundlage waren für uns die Beschlüsse des IVK, der Funktionärkonferenz der FDJ und weiterer Tagungen. Im Kollektiv haben wir alles erstritten und ausgearbeitet und natürlich die Erfahrungswerte vorangegangener Festi­vals und Treffen beachtet. Nicht jede aus dem Schwung entstandene überschäumende Idee konnte dabei allerdings verwirklicht werden.

Waren Sie 1951 bei den III. Weltfestspielen dabei? Ja. Und sogar als Delegierter. Ich war damals Student und hatte für mein Bild „Demonstration in Westdeutschland” einen Preis bekommen. Außerdem war ich auch bei den Festivals in Warschau, Moskau und Wien dabei.

Finden Sie momentan noch Zeit für Ihre künstlerische und Lehrtätigkeit? In der Tat ist mein Terminkalender ziemlich prall gefüllt, und so bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Zeit hundertprozentig auszunutzen. Schwer ist das in sofern, weil ich auch gerade eine Ausstellung vorbereite.

Eine Ausstellung? Ja, ich bereite eine große Ausstellung am Fuße des Fernsehturms unter dem Titel „Walter Womacka — Malerei, Grafik und baugebundene Kunst” vor, die einen Überblick über mein gesamtes Schaffen gibt. Sie wird am 22. Mai eröffnet und bis zum 20. Juni zu sehen sein. Für die Weltfestspiele direkt habe ich ein Poster und Plakate entworfen, und ich habe noch weitere Projekte in Arbeit.

Werden Sie die Weltfestspiele künstlerisch umsetzen? Ich hoffe, dieses Festival wird mir genügend Arbeitsstoff geben. Ich hoffe es deshalb, weil es mir trotz jahrelanger Bemühungen nicht gelungen ist, das Festival von 1951 zu gestalten.

Das Gespräch führte Klaus Feuerherm.

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